Heute Nacht komme ich wieder nur auf sechs Stunden Schlaf. Naja. Mein Körper wird sich schon holen, was er an Schlaf braucht. Vielleicht ist alles noch ein wenig zu aufregend, um mehr als nötig zu schlafen.
Ich organisiere meine Sachen zurück in meine Packtaschen, was ganz schön lange dauert. Vielleicht bin ich auch nur langsam, das mag sein. Dann futter ich mich wieder durchs Frühstücksbuffet voller Gebäckstücke und fahre los Richtung Osten. Heute gebe ich in meine NavigationsApp ein, dass sie die kürzeste Strecke raussuchen soll. Die entspanntere Route ist nämlich rund 30 km länger und 70 km plus 600 Höhenmeter mit beladenem Rad sind wirklich genug.
Nach ein paar Kilometern merke ich, dass ich weder vom Frühstück noch vom Start ein Bild geschossen habe und schieße ein Bild von meinem Rad, wo es gerade ist.

Ich spule Kilometer um Kilometer ab und bin noch ganz beseelt von meinem gestrigen Besuch in der Mine. Ich singe das Steigerlied und kichere ein bisschen, weil ich mich frage, was für ein Bild ich für die Einheimischen abgebe. Ich habe zwar einiges an Strecke vor mir bis zum angepeilten Campingplatz, aber ich halte immer mal wieder an, mache eine Trinkpause und schieße ein Bild.



Irgendwann muss ich pinkeln und komme an einem Mos Burger vorbei, eine typisch japanische Burgerkette. Ich gehe rein und bestelle mir einen Milchshake mit Erdbeerpüree, um den kleinen Hunger bis zum Mittagessen zu überwinden.


Ein bisschen Abwechslung von der Straße bietet ein Tempel, den ich kurz besuche.




Irgendwann komme ich an meinem ersten Tunnel an. Der Fußgängerweg ist schmal, aber ich befahre ihn. Es ist sehr laut im Tunnel und windig. Zum Glück sehe ich irgendwas das Tageslicht wieder. Ab dem Tunnelende fließt das Flusswasser in meine Fahrtrichtung – es geht endlich bergab! Bald kehre ich auch zu Mittag ein in ein kleines, altes Lokal ohne Werbung oder englisches Menü. Ganz nach meinem Geschmack. Leider gibt es keinen Mittagstisch, aber ich finde ein leckeres Menü mit gebratenen Udonnudeln und bestelle noch Gyōza dazu.


Ich schieße ein Bild von meinem Essen und frage die Bedienung, ob ich mein Handy irgendwo aufladen könne. Die Routenführung braucht ganz schön viel der Akkuladung. Kein Problem, das Handy wird eingestöpselt. Seit ein paar Monaten habe ich ein Handy mit Schnellladefunktion, das kommt mir hier zugute. Als ich aufgegessen habe, ist das Handy schon wieder auf 100% und hält den Rest des Tages ohne Probleme durch.
Einige Zeit nach dem Mittagessen komme ich an einem Lokal vorbei, an dem ich einfach Halt machen muss.

Ich gehe hinein und bestelle das „heiße Kuchen Set“, was sich als Pfannkuchen mit Kaffee herausstellt. Sehr lecker.

Gut genährt muss ich nur noch 13 Kilometer bis zu meinem Ziel strampeln.


Der Zeltplatz ist gut gepflegt und es gibt saubere Toiletten, sowie einige Trinkwasserspender.
Ein paar Minuten zu Fuß ist ein Konbini, an dem ich mir mein Frühstück für morgen kaufe. Außerdem bin ich schon wieder hungrig und bestelle mir Ramennudeln mit Fleisch und rohem Ei.

Der Weg zurück zum Zelt ist gesäumt von gefallenen Kirschblütenblättern, die die beiden Regentage gestern und vorgestern abgeräumt haben. Kirschblüten in Japan. So schön und so vergänglich. Mir wird ein wehmütig. Dabei ist alles im Leben so sehr vergänglich.

Eigentlich sollte hier noch ein Onsen sein, aber das hat geschlossen. Schade, es fehlt mir richtig.
Ich verkrümel mich noch vor Sonnenuntergang in mein Zelt. Hoffentlich klappt es morgen wieder mit einem Abendbad vorm Schlafengehen. Aber gestern hatte ich genug Sozialkontakte für ein paar Tage. Ich denke an die Kirschblüten und bin dankbar, dass ich die volle Blüte erleben durfte. 🌸



Ich fand bei MOS Burger oder ähnlichen „Fast Food Restaurants“ erstaunlich, dass diese Läden sich Japanischen Schlankheitsidealen angepasst haben: Statt Ketchup und Majo ist eher Salz und Pfeffer, bzw. Gewürzmischung als Geschmack mit serviert^^
Gute Erholung und angenehme Weiterreise 🙂
Die Frage ist, ob es den Schlankheitsidealen angepasst ist oder der Tatsache, dass ein Otto-Normal-Verbraucher einfach deutlich weniger Kalorien benötigt, als in Europa oder Nordamerika als „normal“ angeboten wird. ^^ Macht Sinn, wie ich finde.
Den Milchshake gab es auch nur in den Größen S oder M. Ich hätte F gebraucht für Fahrradtourenfahrer, aber v mit Größe M konnte ich noch bei mehreren Lokalitäten einkehren, hat doch auch was.
Hi Lu!
Es macht wieder Spaß gemeinsam mit Dir auf Reise zu gehen 😉 Dank Deiner Erzählungen und Bilder ist man immer ein bisschen mit dabei.
Die Campingplätze sehen immer recht leer aus… Ist es generell eher ungewöhlich zu zelten oder sieht es nur so aus? Oder ist die Jahreszeit dafür noch nicht so gefragt?
Auf jeden Fall sieht es schön Frühlingshaft aus, mit den vielen Kirschblüten.
Weiterhin eine schöne Reise (mit Deinen Lesern im Gepäck).
Drück Dich
Anke
Huhu, Zuckeranke! <3
Bislang war nur der erste Campingplatz relativ voll, das war aber auch ein Samstag. Das Schuljahr hat hier erst begonnen und der Durchschnittsjapaner hat kaum Urlaub, daher wird wahrscheinlich nur am Wochenende gezeltet. Heute hab ich den ganzen Platz für mich allein. Naja, gibt auch Schlimmeres. 🙂
Ich freue mich jedenfalls sehr, dass du fleißig mitliest! <3
Ich schicke dir eine Umarmung, dieses Mal über den Pazifik und Russland und was noch alles so im Weg ist.
Lady Lu
Hallo Luisa,
mir geht es ganz gut, der Frühling ist endlich eingekehrt und da wachen die Lebensgeister gleich deutlich mehr auf. Dein Beitrag war wieder sehr toll. Wie ist denn das Radfahren so in Japan? Ich bin ja echt ein Schisser, wenn es um’s Radfahren auf Straßen ohne Radwege geht. Mein Sohn fährt seit einigen Monaten nun auch selbständig Fahrrad und wir wollen auch bald mal auf ne Tour, aber nur auf Radwegen entlang hihi.
Herrscht viel Verkehr dort wo du lang musst, wenn du die schnellste Strecke wählen musst?
Wünsch dir weiterhin ganz viel Spass! Das Essen sieht ja auch immer total lecker aus!!! LG, Manja
Hi Manja,
Ist dein Sohn nicht eben erst auf die Welt gekommen?! ^^‘ Krass, jetzt fährt er schon Fahrrad! Ja, es war schon relativ viel Verkehr auf der schnellen Strecke. Aber zum Glück ist das die Ausnahme und alle halten Abstand so gut es nun mal geht. Heute war ich wieder fast ausschließlich auf Bummelwegen unterwegs, auf Deichen und durch verschlafene Nachbarschaften. 🙂
Finde ich super, dass du eine Radtour planst mit deinem Sohn – ein wunderbares Abenteuer mit viel Bewegung an der frischen Luft!
Ganz liebe Grüße,
Luisa