Ich habe wunderbar geschlafen in meinem Hostelstockbett. Ob es an der selbstwärmenden Schlafmaske lag, die Masahiros Familie mir gegeben hat? Gibt es so etwas überhaupt in Kanada? Das werde ich nach meiner Rückkehr herausfinden müssen.
Das Frühstück ist lecker und im sehr günstigen Preis mit inbegriffen. Es gibt ein Omelett, eine sehr weiche, große Scheibe Toastbrot, ein bisschen Kartoffelsalat und zwei kleine Scheiben Speck, dazu Kaffee und Wasser. Alles ist so friedlich, zwei andere Gäste essen zur gleichen Zeit wie ich. Rockmusik aus den 50ern und 60ern spielt leise im Hintergrund. Ich mache kein Bild vom Frühstück, um die schöne Stimmung nicht zu stören.
Nach dem Frühstück mache ich meinen Blogbeitrag endlich fertig. Einen Beitrag zu schreiben dauert ca. zwei bis drei Stunden, mit dem Wiedereintauchen in die Erinnerungen, ein bisschen Recherche, Bilder raussuchen und komprimieren, hochladen, beschriften und so weiter. Aber ich möchte nichts vergessen, also mache ich es gern. Wenn ich jetzt auf meine Reise zurückblicke, ist es schon ein bunter Eintopf aus Bildern, Gefühlen und Erinnerungen geworden. Aber ich weiß, wenn ich mich genau erinnern möchte, dann kann ich es einfach nachlesen.
Mit dem frühen Aufbruch klappt es heute nicht. Gestern hat mir der freundliche Besitzer ein zweites Fahrradschloss gegeben, damit ich mit einem Schloss meinen Vorderreifen an einer Säule festketten kann und mit dem zweiten Schloss das Vorderrad an den Rahmen. Als ich den Schlüssel zum geliehenen Schloss wegräumte, sagte ich mir noch „Den Schlüssel packst du an einem ganz besonders sicheren Ort, damit du ihn nicht verlierst.“ Der Ort ist so sicher gewesen, dass selbst ich ihn nicht mehr finden kann. Ich durchsuche alle meine Sachen und alle Orte, an denen ich mich aufgehalten habe, mehrmals. Nach einer Stunde gebe ich auf und sage dem Besitzer, was passiert ist. Er sagt, dass es kein Problem sei. Wobei, er sagt gar nichts, denn er hat keine Stimme. Aber er ist sehr gut in der nonverbalen Kommunikation und zur Not flüstert er ein Wort dazu.
Er holt ein paar Werkzeuge raus und macht sich am Schloss zu schaffen, aber es gibt nicht nach. Er bedeutet mir, zu warten und fährt mit dem Auto weg.


Ein paar Minuten später kommt er wieder mit einem Winkelschleifer, dem das kleine Schloss nichts entgegenzusetzen hat. Mein Rad ist wieder frei. Ich entschuldige und bedanke mich recht herzlich und sage ihm, dass es eine seltene Situation ist und ich daher ein seltenes Geschenk für ihn habe. Ich bestehe darauf, dass er meinen 2000 Yen Schein annimmt. Erst möchte er nicht, aber schließlich gibt er nach und freut sich sehr.
Ich fahre los. Heute gibt es keine Aussicht, keine Berge, keine wundersamen Begegnungen. Rechts ist die Schnellstraße, links sind erst Reisfelder, dann Häuser, dann Geschäfte. Unter mir ist die Straße, erst ziemlich eben aber später am Tag sind alle paar Meter Höcker und Kanten durch Aus- und Einfahrten. Über mir ziehen Wolken übers Land. Manchmal nieselt es ein bisschen, aber vom Regen bleibe ich größtenteils verschont.




Meine Stimmung ist aber nicht trüb, sie ist gleichförmig wie meine Pedaltritte. Langsam schraube ich mich in Richtung Tomoko, vielleicht komme ich morgen schon an. Das wird der Endpunkt meiner Radreise sein. Von da aus muss ich mich neu sortieren, um irgendwie nach Tokio zu kommen, wo ich vor meinem Abflug zwei Nächte verbringe.
Gegen Mittag buche ich ein Hotel, das ca. 15 Kilometer vor mir liegt. Ich könnte vielleicht noch weiter radeln. Vielleicht sollte ich auch, denn für morgen sagt die Wettervorhersage mehr Regen an. Aber ich mag nicht weiter fahren, ich mag nach 15 Kilometern Feierabend machen. Wahrscheinlich würde mir auch ein Ruhetag gut tun, aber der macht kurz vor dem Ziel keinen Sinn. Ich habe viele Ruhe- und Reisetage vor mir. Heute und morgen radel ich noch ein bisschen weiter, im Takt meines Körpers.

Mein Hotel ist sauber und mein Bett sehr groß. Ich verbringe ungefähr eine halbe Stunde damit, wie ein Zombie vor mich her zu starren. Dann nehme ich ein Duschbad und wasche eine Ladung Wäsche, damit ich morgen nicht allzu stinkend ankomme. Ein bisschen wild sehe ich so oder so aus. Die Wäsche hänge ich ins Badezimmer, die Lüftungsanlage wird sie hoffentlich über Nacht trocknen.



Zum Abendessen suche ich mir einen nahegelegenen, chinesischen Imbiss heraus. Mal sehen, wie chinesisches Essen in Japan schmeckt. Als ich davor stehe, sind die Rolläden leider dicht, der Imbiss hat zu. Also wandere ich einmal um den Block und kehre stattdessen in einem koreanischen Imbiss ein. Hier esse ich Dak-Galbi, süß -scharfes Huhn, Reiskuchen und Gemüse mit Käsedip, serviert auf einer Kochplatte. Zum Nachtisch gibt es gebratene Süßkartoffel mit Vanilleeis.


Jetzt ist es noch vor 20 Uhr und ich bin schon fertig mit dem Blog. Super, die extra Mütze Schlaf wird mir sicherlich gut tun. 🙂



Hallo Lulu, es ist sehr schön Dir folgen zu dürfen und ich wünsche Dir einen guten Heimflug. Auch liebe grüße an Tyrel. Alles gute Dir und Tschüss LG HG
P.S.: Ich habe von Dome gehört, Du kommst im Mai nach Deutschland? Ich bin vom 12.5. – 19.5. im Urlaub auf Usedom.
Moin Heinz,
Lieben Dank für deinen Kommentar, finde ich super, dass du hier mitliest! 🙂 Wir schaffen es auf jeden Fall, uns zu treffen, entweder vor oder nach Usedom. Ich freu mich schon!
Ganz liebe Grüße und bis bald,
Lulu
Liebe Luisa, Suesskartoffel und Vanilleeis … auf den Gedanken waere ich nicht gekommen,muss ich aber mal ausprobieren 🙂
Ich weiss ja selbst, wie viel Zeit das Bloggen kostet, aber, danke, dass Du es tust und wir so an Deinem Abenteuer teilhaben duerfen! Und, es wird bestimmt eine tolle Erinnerung fuer Dich werden.
Verstehe ich das richtig, dass Du ueber Deutschland zurueckfliegst? Wann bist Du denn da?
Wuensche Dir eine gute Nachtruhe und dann morgen viel Spass beim naechsten Abenteuer 🙂
Liebe Gruesse von unten rechts, ela
Hallo ela,
Genau, ich fliege über Deutschland zurück, um ein bisschen Zeit mit meiner Familie zu verbringen bevor es für mich wieder zurück in den Alltag geht.
Hier ist es schon wieder morgens, aber es regnet so stark, dass ich mit dem Weiterradeln noch ein bisschen warte.
Ich hoffe, bei euch ist schon schönes Frühlingswetter, bei möglichst wenig Mücken! 🙂
Viele Grüße,
Luisa