Japan Tag 2 – Ankunft in Onomichi

Japan Tag 2 – Ankunft in Onomichi

Der Tag beginnt um 4:30 h, um rechtzeitig am Flughafen anzukommen. Mein Schlaf war unterbrochen vom Jetlag, aber trotzdem fühle ich mich besser als gestern.

Es geht zurück zum Flughafen Narita, der mich mit seinem Leitsystem beeindruckt. Ich fühle mich sehr sportlich, als ich der Rennbahn zu meinem Gate folge.

Flughafenleitsystem oder Rennstrecke?


Ich sitze in der ersten Reihe im Flugzeug. Insgesamt sehen fünf Mitreisende nicht japanisch aus. Alle sind in Reihen 1 und 2 untergebracht. Ob das automatisch so zugeteilt wird, weil Ausländer mehr Hilfe oder Anleitung brauchen könnten?
Das Bodenpersonal, drei ältere Herren, die das Flugzeug bis zu einem Haltepunkt begleitet haben, winken alle zum Abschied. Mit beiden Händen. Das ist bestimmt in ihrer Arbeitsanleitung so festgeschrieben, aber trotzdem wärmt es mein Herz und ich winke durch mein kleines Fenster zurück.

Schließlich lande ich in Hiroshima und versuche mich im Navigieren von öffentlichen Verkehrsmitteln, um nach Onomichi zu kommen. Irgendwie klappt es auch, aber ich scheine durch meine Anwesenheit einige Leute nervös zu machen. Im Bus weiß ich nicht, wo ich meine Fahrkarte abstempeln soll, also frage ich den jungen Japaner neben mir auf Japanisch, was ich mit der Fahrkarte machen soll. Er schaut zu Boden und zeigt mit dem Finger zum Fahrer. Den frage ich auch, er nimmt die Karte wortlos an und legt sie in einen kleinen Plexiglaskasten.
Nach der Busreise steige ich auf den Zug um und bekomme Hilfe von einer Frau in Bahnhofsuniform beim Automaten. Man muss auswählen, für wie viel Geld man eine Karte kaufen möchte, aber ich weiß nur mein Ziel. 240 Yen, ca. 2,40€ bringen mich ans Ziel. Im Zug unterhalte ich mich mit den einzigen Nichtjapanern, zwei Deutsche auf Durchreise.

In Onomichi angekommen halte ich mich an die Empfehlung meiner Freundin Chika und suche ein bestimmtes Tempura Restaurant auf. Wirklich ein Erlebnis, die frittierten Teile schmecken ganz leicht und frisch. Als ich in meiner Suppe ein Stück Fisch finde, schiebe ich es mir gleich in den Mund, aber muss es wieder ausspucken – es war wohl kein Filet, sondern ist mehr Gräte als Fisch. Es sollte anscheinend nur die Suppe etwas fischiger machen.

Restaurant, von außen.
Leckeres Mittagessen.

Anschließend suche ich den Fahrradladen auf. Der Besitzer ist sehr freundlich und hilft mir beim Einstellen und Ausrichten des Fahrrads. Außerdem gibt er mir sehr hilfreiche Tipps. Und dann noch ein Multitool, einen Helm, einen Getränkehalter und ein Schloss. Alles gebraucht, aber Geld will er dafür nicht haben. Ich fühle mich ein wenig schäbig, dass er für das alles wirklich nichts haben möchte. Wenigstens kann ich das Fahrrad und einen Ersatzschlauch bar bezahlen.

Fahrrad, beladen.

Ich fahre los, in Richtung Hostel. Es fährt sich ganz leicht, obwohl ich ganz schön beladen bin. Vor dem Hostel muss ich ein bisschen warten und kann schließlich einchecken und mich ein bisschen organisieren. Anschließend gehe ich noch einkaufen, mir fehlen Feuerzeuge und Campinggas. Das ist auch schnell besorgt und schließlich gehe ich auf Wanderschaft auf den Hausberg, um Kirschblüten anzugucken.

Mittendrin zwischen den Brennern: Ein Produkt namens GASBOMBE. Ich bin mir nicht sicher, was es ist.

Hier wird mir ein wenig schwer ums Herz. Tyrel und Arma fehlen mir sehr. Ich frage mich, ob ich nicht doch Zuhause hätte bleiben sollen. Aber Zuhause hat es mich so sehr in die Ferne gezogen. Ich atme tief durch und versuche mich auf den Moment zu fokussieren. Jetzt bin ich hier. Das wollte ich unbedingt. Jetzt genieße das auch, verdammt nochmal!!! Also ziehe ich umher und schieße Bilder, wie es sich für einen Touristen gehört.

Kirschblüten, von nahem.
Friedhof, japanisch.
Aussicht auf Berge und das Seto-Inland-Meer.
Kirschblüten.
Mehr Kirschblüten.
Schön gestutzte Bäume.
Nochmal Kirschblüten.
Treppe zum Friedhofeingang.
Nebengasse.
Chinesische Tierkreiszeichen und Buddhas?

Auf dem Weg zurück ins Hostel kehre ich in ein Okonomiyaki Restaurant ein. Gebratener Kohl und Nudeln als sehr herzhafter Pfannkuchen. Es gibt kein englisches Menü, niemand spricht Englisch. Mein Japanisch reicht aus und ich freue mich über eine leckere Mahlzeit.

Okonomiyaki, am braten.
Okonomiyaki, kurz vor Verzehr.

Mehrmals wurde ich heute gefragt, warum mein Japanisch so gut ist, obwohl ich nicht hier lebe. Anscheinend gibt es viele Ausländer, die hier leben und die Sprache nicht wirklich sprechen können. Das könnte ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen – in einem Land leben und nicht richtig kommunizieren können? Fühlt man sich da nicht einsam und ein bisschen hilflos im Alltag? Hmm…

Morgen geht meine Reise richtig los. Ich hoffe, ich kann meine Schwermut ein wenig abschütteln. Vielleicht wird sie im Fahrtwind einfach weggepustet! 🙂

10 Comments

  1. Brigitte

    Hallo Luisa,
    viel Spaß auf deiner weiteren Reise. Ich bewundere deinen Mut, dein Unternehmen Japan durchzuziehen, selbst hätte ich den nicht. Danke, dass uns auf diese Weise mitnimmst. Alles Liebe Brigitte

    • Luisa

      Liebe Brigitte,
      Danke für deinen netten Kommentar und beste Grüße aus Japan! 🙂
      Luisa

  2. Johannes

    Ich hab neulich einen Bericht gehört, über Deutsche, die in die Türkei auswandern:
    Viele können maximal Schmipfworte auf türkisch und das Erste was sie übernehmen ist mit dem Auto bei Rot über die Ampel zu fahren 😉
    Da ich dich kenne wird dein japanisch schon recht gut sein – denk an deinen Sprachkurs und die Durchhaltequote davon! 😉
    Meine Japanerfahrung war jedoch, dass die Japaner bei 0,5% Ausländeranteil schon interessiert am Fremden sind. Deren Haupterfahrungen sind jedoch meistens mit US-Militärangehörigen in Kontakt gekommen sind, welche noch als Besetzer wahrgenommen werden. (Japan hat ja keine Armee sondern wird von der USA beschützt)
    Wenn sie jedoch merken, dass du ein „Deutscher Gaijin“ bist, dann werden sie erheblich freundlicher. Ggf. alte Verbündete?

    Ich freu mich sehr über detailierte Japanberichte und Bilder 🙂

    • Luisa

      Tjo, da hab ich wohl einen anderen Anspruch an mich selbst, wenn ich mir „nur“ für eine Reise für schon 2,5 Jahre die Sprache reinziehe. ^^
      Allerdings braucht man ca. 2200 Lernstunden, um grundlegendes Japanisch zu sprechen (im Vergleich sind es bei Französisch ca. 600 Stunden). Und wenn ich für 2.5 Jahre im Schnitt eine Stunde pro Tag gelernt habe, sollte ich jetzt ungefähr auf der Hälfte des Weges sein. ^^

  3. Liebe Luisa,
    danke für die tollen Bilder! Deine Schwermut wird bestimmt mit dem Jetlag weniger werden und schließlich verschwinden. 🙂

    Genieße die Zeit, Japan und dass Du die Möglichkeit hast Dir einen Traum zu verwirklichen! 🙂

    Liebs Grüße aus S-H auch von Marina
    Jens

    • Luisa

      Moin Jens,

      Ganz lieben Dank für deinen Zuspruch und dass du meinen Eskapaden nach all den Jahren immer noch folgst! 🙂

      Liebe Grüße nach S-H, natürlich auch an Marina.
      Luisa

  4. Sabine Hofmann-Beulshausen

    Liebe Lulu,
    Bist angekommen und das zur Kirschblüte, wie schön! Wenn Du Dich etwas eingewöhnt hast, wird’s leichter und einfach super, dass Du mit Deinem Japanisch weiterkommst. Ich denke jeden Tag an Dich und freue mich über die Fotos. Hab jeden Tag schöne Momente und wenn’s irgendwo besonders schön ist, mach dort Pause! Ich drücke Dich, Sabine

    • Luisa

      Liebe Basine,
      Ganz lieben Dank für deinen netten Kommentar! ❤️ Ich bin schon gespannt, was mich heute erwarten wird. Jan hat mir einen guten Sehenswürdigkeitentipp gegeben, der fast auf dem Weg liegt, da vielleicht klappt’s heute schon damit. War bestimmt auch was für dich, hihi!
      Alles Liebe und bis bald,
      Lupinchen

  5. Hutchinson

    Hi Luisa, I’m enjoying your posts. I’m hesitant to comment on your sense of sadness, but you’ve mentioned it a few times, so here goes. If I were you, I would try to just sit with the melancholy. Don’t fight it. Perhaps it has a message for you. I feel it in my belly when you speak of it, so I guess it’s one of my old friends. Thanks for all the photos and the story, I’ll be checking this blog every day, but not necessarily commenting. I am travelling vicariously through you, my wise and multi-lingual friend. <3

    • Luisa

      Thank you so much for your wise words of encouragement, my friend! ❤️ I’ll see where I can find a nice spot today to sit with my old blue friend and hold hands for a while.
      Lots of love to you!
      Luisa

Antworte auf den Kommentar von Hutchinson Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert