Japan Tag 3 – Von Onomichi nach Omishima

Japan Tag 3 – Von Onomichi nach Omishima

Der Tag startet wieder mit dem Wachwerden um 0:30 h. Die Frau im Hostelbett unter mir hustet, aber mein Jetlag ist der Meinung, dass jetzt eh Aufwachzeit ist. Nach ca. 2 Stunden döse ich nochmal ein und dann lasse ich den Tag beginnen.

Ich habe mich für das früheste Frühstück eingeschrieben, um 8 Uhr morgens. Vorher erledige ich alles, was es so zu erledigen gibt und bin um 8:30 gestärkt mit Fisch, Reis und Spiegelei bereit zum Losradeln. Die Besitzerin des Hostels fragt, ob sie ein Bild von mir und der anderen Radfahrerin im Hostel, Noriko, machen darf. Erst posen wir stehend und anschließend möchte sie noch Actionbilder mit uns machen. Fahrend auf unseren Rädern in der kleinen Gasse, in der das Hostel zu finden ist.

Noriko und ich auf unseren Rädern.

Schließlich geht es wirklich los für mich. Ich habe etwas Angst vor meiner Courage. Wird alles gut gehen? In weniger als zwei Kilometern erreiche ich den Fährhafen, der mich zur ersten Insel bringen wird. 100 Yen pro Person und 10 Yen pro Fahrrad. Zahlbar in bar auf der Fähre.

Die Fähre kommt an.

Dann beginnt die blaue Linie auf der Straße, die den Weg des Shimanamikaido markiert. Ein Pärchen mit Fahrrädern steht noch herum und diskutiert. Ich biete an, ein Startfoto von ihnen zu schießen und sie revanchieren sich gleich mit meinem Startfoto.

Der offizielle Beginn meiner Radreise.

Die blaue Linie wird schnell zu meinem Verbündeten. Und alleine brauche ich mich auch nicht fühlen. Es ist Samstag und bestes Fahrradwetter. Viele Leute sind auf der Radstrecke unterwegs, ein Geheimtipp ist sie längst nicht mehr. Aber das macht nichts, für den Anfang habe ich mir etwas Einfaches gewünscht.

Brücke, in der Ferne.

Bald schon sehe ich die erste Brücke, die mich von Mukaishima zu Innoshima bringen wird. Eigentlich bin ich nicht besonders begeistert vom Meer, aber in der Kombination mit vielen hügeligen Inseln ist es wirklich schön anzusehen.

Kirschblüten auf einer typisch japanischen Nebenstraße.
Bunt blühende Bäume kurz vor der ersten Brücke.
Rad und Brücke.

Innoshima scheint für seine Zitronen bekannt zu sein. Ich halte bei einem Cafe an und kaufe mir Daifuku, unglaublich weiche Reisteigbällchen, gefüllt mit allerlei Leckereien. Dieses ist Café au Lait, ein anderes war mit den Zitronen der Insel. Superlecker.

Daifuku gefüllt mit Kaffeepaste und Sahne.

Das Pärchen vom Startfoto gesellt sich wieder dazu und wir quatschen ein wenig. Sie sind Lehrer im Ruhestand, aus Pennsylvania. Genau wie so gut wie alle anderen Radfahrer, die hier unterwegs sind, haben sie sich Räder für den Tag geliehen und lassen ihr Gepäck vorausschicken, während sie leichten Fußes auf ihren Rädern Kilometer machen.

Zu unserer Gruppe gesellt sich noch ein weiterer Radfahrer, der genauso schwer beladen ist wie ich. Reuben aus Australien. Er radelt für drei Monate durch Japan und ist schon eine Weile unterwegs. Ich frage ihn eifrig nach Tipps und wir beschließen, ein wenig nebeneinander herzufahren und zu quatschen. So komme ich zu einem weiteren Bild mit mir vor der Brücke von Innoshima nach Ikuchi.

Die Brücke und ich.

Auf Ikuchi kehren wir in ein kleines Restaurant ein zum Mittagessen. Ich verstehe die Speisekarte auf Japanisch ganz gut und entscheide mich für das 日替わり定食, das täglich wechselnde Menü des Tages für 700 Yen, während Reuben sich für ラーメンセットfür 800 Yen entscheidet, ein Menü mit Ramen. Wir sind beide sehr zufrieden mit dem, was wir vorgesetzt bekommen.

Günstiges Festmahl.

Mein Menü besteht aus Reis, eingelegtem Gemüse, frittiertem Hähnchenfleisch, Misosuppe und ganz viel Tofu mit Fleisch. So leckeres Tofu habe ich noch nie gegessen, es ist ganz weich, aromatisch und schmilzt im Mund. Nach ein paar weiteren Kilometern und beim Aufstieg zur nächsten Brücke nach Omishima lockt ein neues Gebäude mit der Werbung für Zitronenprodukte. Das Angebot ist nicht besonders groß und die Preise ziemlich hoch, es gibt Zitronen Getränke und Zitroneneis. Aber der Verkäufer ist sehr nett, das Gebäude ist ganz neu und das Konzept gefällt mir, mit frisch gepressten Zitronen vom Hang gleich nebenan während im Hintergrund ein bisschen fröhliche Musik dudelt. Warum nicht, ein Zitroneneis bitte. Der Verkäufer empfiehlt, ihm aufs Dach zu steigen und die Aussicht zu genießen. Sehr gerne.

Zitronenladenmensch mit Eiskelle.
Aussicht auf die letzte Brücke des Tages.

Nach der Brückenüberfahrt lande ich im Cyclist Sanctuary, also zum Zufluchtsort bzw. Heiligtum für Radfahrer. Ich bin immer noch müde bin der Anreise und will es langsam angehen lassen, also bleibe ich heute im Campingplatz nebenan.

Doch erst geht es noch zum Onsen, dem öffentlichen Bad, das nur ein paar hundert Meter entfernt vom Campingplatz ist. Hier frage ich am Empfang nach, ob es okay wäre, trotz meiner Tattoos ins Onsen zu gehen. Ganz die zwei Mitarbeiter beratschlagen sich kurz, aber kommen zu dem Ergebnis, dass es in letzter Zeit schon okay geworden ist. Ich freue mich und ziehe ein passendes Ticket am Automaten für 460 Yen, das ich anschließend in ein Plastikkörbchen legen muss, um eintreten zu dürfen.

Angekommen im Umkleideraum mache ich mich nackig und frage eine weitere Frau im Adamskostüm (oder Evakostüm?) nach der korrekten Vorgehensweise im Bad. Erst abduschen, dann in die heißen Quellen und abschließend auf dem kleinen Plastikschemel, dem Duschschlauch und der Plastikschüssel richtig einseifen und waschen. Gesagt, getan. Im Außenbad mit Meerblick komme ich schnell ins Gespräch. Erst mit Tamae, einer jungen Frau aus Tokio, die sehr gutes Englisch spricht. Dann gesellen sich noch zwei ältere Damen zu uns und wir haben nette Gespräche zusammen. Alle sind überrascht, dass ich mich auf Japanisch verständlich machen kann und die älteren Damen sagen, dass sie es schade finden, dass sie mit den Ausländerinnen, die dort leben, gar nicht reden können, weil so gut wie niemand Japanisch spricht. Meine Tattoos stoßen auf viel Neugier und ich beantworte bereitwillig alle Fragen.

Nach dem Onsen plündere ich einen Konbini, eine Art Spätkauf/Kiosk und sitze noch eine Weile vor dem Zelt um Themen wie den zweiten Weltkrieg mit Reuben zu diskutieren, der auch in dem Campingplatz übernachtet. Je älter ich werde, desto mehr Interesse habe ich an Politik und Geschichte. Irgendwann fallen Regentropfen und ich verkrümel mich in mein Zelt.

Gekaufte Produkte aus dem Konbini für Abendessen und Frühstück.
Zeltplatz samt Kirschblüten bei Nacht.

Durch das Schreiben des Eintrags ist es jetzt mächtig spät geworden. Vielleicht kann ich heute Nacht durchschlafen.

2 Comments

  1. Moin Luisa,
    sehr schöner Bericht! Danke, dass Du uns an Deiner Reise teilnehmen lässt.

    Liebe Grüße nach Japan
    Jens

    • Luisa

      Moin Jens,
      Danke für deine lieben Worte und herzliche Grüße zurück nach S-H! 🙂
      Luisa

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