Japan Tag 8 – Von Higashimiyoshi nach Mima

Japan Tag 8 – Von Higashimiyoshi nach Mima

Mein Schlaf wird endlich besser! Zwar bin ich nach 5 Stunden aufgewacht, aber ich konnte gut nochmal einschlafen. Leider bringt das nahe Zelten am Fluss Feuchtigkeit und Morgentau mit sich und ich muss mein Zelt nass zusammenpacken. Aber das ist schon okay, es trocknet ja wirklich sehr schnell. Ich esse mein Frühstück am Fluss, nur ein paar Schritte vom Zelt entfernt, und packe meine Sachen.

Frühstück am Fluss.
Rad, gepackt.

Mein Weg führt mich wieder zur Autobahnraststätte, wo ich gestern Abend schon mein Abendessen zu mir genommen habe. Ich entsorge meinen Müll, bestelle mir einen Milchkaffee im Konbini und möchte anschließend noch mein Handy aufladen, um meine Powerbank zu schonen. Das geht ganz einfach auf der öffentlichen Toilette. Die Toiletten sind beheizt und haben alle möglichen Funktionen, darum müssen sie eine Stromversorgung haben. Ich setze mich auf die beheizte Klobrille, entferne den Klostecker und stöpsel stattdessen mein Handy ein. Ein paar Minuten später ist mein Handy vollständig geladen und ich verbinde die Toilette wieder mit dem Stromnetz.

Draußen, an meinem Fahrrad, spricht mich ein älterer Japaner an. Er schätzt, ich komme aus Holland (fast richtig) und er ist selbst ein begeisterter Radtourenfahrer, sowie ein Schulrektor hier auf Shikoku. Letztens war er dafür in Taiwan und im Sommer will er wieder in Deutschland eine Radtour machen. Wir schießen Fotos und tauschen Email-Adressen aus, für Tourentipps.

Radtourenbekanntschaft.

Für heute habe ich keine allzu lange Strecke geplant, ich bin ja nicht auf der Flucht. Leider hat die Sonne mir meine Handrücken ganz schön verbrannt, trotz Sonnencreme. Heute fahre ich also mit meinen Fleecehandschuhen.

In einer verschlafenen Nebenstraße komme ich an einem kleinen Keksgeschäft vorbei und halte an. Ich kaufe mir eine hübsche Packung Buchweizenkekse und frage, ob ich ein Foto schießen darf.

Keksladen, irgendwo versteckt in Japan.
Buchweizenkekse, lecker!

Zum Mittag kehre ich heute in ein italienisches Restaurant ein, das auf Google sehr gute Bewertungen hat. Die Bedienung spricht exzellentes Englisch. Ich antworte meist trotzdem auf Japanisch. So können wir beide unsere Fremdsprachen üben. Sie schätzt, dass ich entweder aus Holland oder aus Deutschland komme, da ich sehr groß bin. Damit haben wir den ersten Gewinner im Schätze-wo-ich-herkomme-Spiel! 🙂

Fahrrad vor dem Italiener im traditionellen japanischen Look.

Das Essen ist überwältigend gut. Jede Zutat kann einzeln herausgeschmeckt werden und zusammen ergibt es ein rundes Ganzes. Zum Nachtisch wähle ich Panna Cotta und einen Milchkaffee. So einen schönen Kaffee habe ich noch nie gesehen!

Vorspeise: Focaccia, frittierte Teigbälle und Salat.
Hauptspeise: Pasta mit Räucherlachs, Rucola und Tomaten.
Nachtisch: Panna Cotta und Milchkaffee.
Der niedlichste Milchkaffee der Welt. 😻

Nach dem Mittag kämpfe ich mich auf einen Berg hinauf. Da steht ein Luxushotel mit angeschlossenem Zeltplatz. Ich sehe ein bisschen zu wild und zu verschwitzt aus für den Laden, der erste Blick des Hoteliers fällt auf meinen tätowieren Arm, bevor er sich fängt und mich sehr höflich behandelt.

Schickes Hotel auf einem Berg.

Er erklärt die Regeln und die Preise, indem er verschiedene Dinge auf dem Gästemerkblatt mit einem rosa Highlighter markiert. Ich frage, ob es hier auch Frühstück gibt. Er verneint höflich aber reicht mir zwei in Plastik eingeschweißte süße Brötchen. Er fragt mich, ob ich vorhabe, das Onsen zu benutzen, welches ab 17 Uhr geöffnet hat. Ich frage, ob das überhaupt okay ist, da ich ja tätowiert bin. Er zögert und es sieht ein bisschen so aus, als ob die Frage ihm Schmerzen bereitet. Er schreibt mir auf den Zettel: „16:00 – 17:00 h OK!“ und umkreist das OK!

Ah, das heißt ich kann vor der offiziellen Öffnung ins Bad und kann so niemanden mit meiner Anwesenheit verstören? Das finde ich sehr großzügig und bedanke mich recht herzlich. Ein bisschen schade, denn im Onsen bin ich bislang immer mehr leicht ins Gespräch gekommen. Aber das ganze Bad für mich alleine zu haben wäre natürlich auch schön! 🙂

Ich frage noch nach, wo genau das Onsen liegt und der Herr weist mir die Richtung. Da korrigiert er nochmal die Zeit und sagt mir, ich solle lieber von 15:00 bis 16:30 h baden gehen. Außerdem bräuchte ich nur ein Handtuch mitzubringen, denn Shampoo, Conditioner und Duschgel sei vorhanden. Sehr gern! Ich gehe zu meiner zugewiesenen Campingparzelle und baue mein triefendes Zelt auf. Innerhalb von fünf Minuten ist alles trocken. Super!

Die Zeit bis um 15 Uhr verbringe ich damit, den Blogeintrag bis hierhin zu schreiben. Am Ende des Tages bin ich immer so müde, dass mir während des Schreibens die Augen zufallen. Ok, ehrlich gesagt bin ich jetzt auch so müde. Vielleicht fahren meine Systeme einfach runter, wenn ich hier endlich mal Pause mache.

Mein einsames Zelt auf dem Campingplatz.

Punkt 15 Uhr finde ich mich wieder im Hotel ein und werde direkt erwartet und zum Onsen gelotst. Wie erwartet bin ich ganz alleine. Das heißt aber auch, dass ich Bilder machen kann!

Eingang ins Onsen, links für die Frauen.
Kurz hinter dem Vorhang das Schuhregal. Ab der Stufe dürfen keine Straßenschuhe mehr getragen werden.
Der Umkleide- und Schminkraum.
Links im Bild: Die Duschen, mit denen man sich vor dem Baden abspült.
Geradeaus: Das heiße Bad, leider ohne Außenbereich. Rechts: Bereich zum Einseifen und gründlich waschen nach dem Baden.

Zum Abendessen muss ich nochmal die Bergstraße herunterfahren und finde mich in einem amerikanischen Restaurant ein. Die Bewertungen im Internet waren berauschend, aber für mich ist es eher mittelmäßig. Na gut, ich lebe auch in Nordamerika, vielleicht ist der Vergleich nicht ganz fair.

Pommes und Pizza.

Ich kämpfe mich ein letztes Mal die Bergstraße hoch zu meinem Zelt und sitze bei der Wohnmobilsteckdose, um mein Handy und meine schlaue Uhr aufzuladen. Da kommt der Manager vom Hotel zu mir herunter, um kurz zu reden. Er tippt darauf, dass ich aus Frankreich komme. Auch ziemlich nah dran. Auf Nordamerika hat noch niemand getippt, dabei sehen die meisten Menschen dort doch auch sehr europäisch aus. Ich habe Schwierigkeiten, ihn zu verstehen. Denn statt langsam zu reden, redet er ganz schnell und macht lange Pausen mitten im Satz. Aber irgendwie klappt die Verständigung schon. Am Ende ist ihm noch ganz wichtig zu sagen, dass ich mir heute Zeit lassen soll. Er spricht es sogar in dein Handy und zeigt es mir auf Englisch. Ich bedanke mich recht herzlich. Dabei weiß ich nicht, womit ich mich heute noch beeilen sollte. Mit dem Zähneputzen? Hmm…

Ein Kirschbaum, der noch in voller Blüte steht!

Ich putze langsam meine Zähne und krieche im Schneckentempo in meinen Schlafsack. Mehr ist nicht zu tun. Gute Nacht! 🙂

4 Comments

  1. MisstoBee

    Dieses Onsen ist spannend. Danke für die Fotos davon. Und ich wusste auch nicht, dass in Japan Tattoos so skeptisch begutachtet werden.

    • Luisa

      Ja, Tattoos stehen hier in Verbindung mit der Mafia, den Yakuza. In den letzten Jahren ist man vor allem westlichen Touristen gegenüber immer aufgeschlossener, wie mir auch zugute kommt. 🙂

  2. Simone

    Oh my! You make me smile!
    Glad you slowed right down…

    • Luisa

      Only a little push today and then I’ll slow down for a whole day… Maybe. Who knows what’s waiting for me there. 🙂

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