Japan Tag 22 – Obu

Japan Tag 22 – Obu

Ich wache auf, direkt neben einem schönen Samuraihelm. Heute gibt es kein Checkout, heute gibt es keinen Regen, heute lasse ich es ruhiger angehen.

Samuraihelm am Morgen.

Tomoko geht schon sehr früh am Morgen ins Büro, während Oma und Maki mit mir Frühstück einnehmen. Für mich gibt es Reis mit rohem Ei und Natto, dazu eine Umeboshi Pflaume und Misosuppe. Tomoko kommt nochmal aus dem Büro und zeigt mir, wo ich meine Wäsche waschen kann, ich schreibe den Blog von gestern und überlege, wie ich meine bevorstehende Reise nach Tokyo am besten bewerkstelligen kann.

Die Wäsche wird gewaschen und aufgehängt und ich entdecke, dass Tomoko mir in der Küche ein Mittagessen bereitgestellt hat. Wie lieb. 🙂

Mittagessen.

Ich bin so müde, dass ich tatsächlich einen Mittagsschlaf einlege. Das bekommt mir sonst gar nicht gut, aber heute ist es nötig und ich wache mit mehr Energie auf.

Dann schwinge ich mich wieder auf mein Rad, es gibt ein paar Dinge zu organisieren.

In einem nahegelegenen Fahrradladen lasse ich mein Rad kurz durchchecken und die Kette ölen. Außerdem kaufe ich einen Rinko Bag, das ist eine große Tasche, mit der man sein Fahrrad auseinander gebaut mit in den Zug nehmen kann. Der Rinko Bag, für den ich mich entscheide, soll für Frauen und Anfänger geeignet sein. Das trifft beides auf mich zu, es kann also nichts mehr schief gehen. 🙂

Der nächste Stopp ist am Obu Bahnhof. Hier stutze ich – ein Pokemon Gullideckel, der nicht auf der offiziellen Karte verzeichnet ist?

Ein neues Pokemon?

Aber es ist kein Pokemon, sondern Obuchan, das Maskottchen der Stadt Obu. Ich bin mir nicht sicher, was es ist. Eine frittierte Garnele? Es gibt eine winzige Touristeninformation am Bahnhof, da gehe ich gleich hinein und frage nach, was genau Obuchan ist.

Ein kleiner Obuchan Bus.

Mir wird erklärt, dass die Stadt Obu die Form eines Stücks Käse hat und Obuchan deshalb aus Käse besteht. Lecker, da bin ich sofort begeistert! Ich bekomme noch eine Karte von Obuchan mit auf den Weg und gehe in den ersten Stock zum Bahnhofsschalter. Dort erkläre ich dem freundlichen Angestellten, dass ich Sonntag früh gern von hier aus mit der Bahn nach Asakusa in Tokyo fahren möchte. Es werden Kataloge gewälzt, im Computer nachgeschaut und diskutiert, bis man mir eine Routenbeschreibung ausdruckt und vorstellt. Ich stimme zu, meine Kriterien sind simpel und werden erfüllt. Nur eine Sache ist schade: In Obu gibt es scheinbar keinen Stempel für meinen Pass.

Vor dem Bahnhof in Obu.
Fahrradparkplatz am Bahnhof.

Es geht weiter für mich zu einem 7-Eleven Konbini. Ich habe eine Veranstaltung in Tokyo erspäht, an dem ich gern teilnehmen möchte. Online kann man nur Tickets kaufen, wenn man eine japanische Telefonnummer hat, die hab ich nicht. Aber eine Alternative ist es, im 7-Eleven ein Ticket zu kaufen. Neben dem Kopier-Fax-Gerät erspähe ich die Ticket Maschine, durch dessen Auswahl ich mich klicke, bis ich meine Veranstaltung gefunden habe und meinen japanischen Namen eingeben kann. Die Maschine spuckt einen Zettel aus, mit dem ich innerhalb von 30 Minuten an der Kasse den Eintrittspreis bezahlen muss, um mein Ticket zu sichern. Alles klappt wunderbar.

Eintrittskartenmaschine im 7-Eleven.
Die Eintrittskarte ist gekauft und mein Kaffee wird geliefert.

Ein Verkaufswagen auf der anderen Straßenseite lockt mich an und ich kaufe mir ein frittiertes Milchbrötchen mit Vanilleeis und süßem, schwarzen Sesam. Fett und leicht verfügbare Kohlenhydrate, die Kombination schmeckt immer gut.

Imbisswagen.
Frittiertes Brot und Eis.

Als nächstes steht auf meiner Liste, eine große Plastikkiste zu kaufen. Ich möchte meine ganzen Zeltsachen per Post nach Kanada schicken. So brauche ich sie nicht überall mit mir herumschleppen, obwohl ich sie jetzt nicht mehr brauche. Doch zunächst erspähe ich kleine Kätzchen im Schaufenster. Sie sind ja sehr niedlich, aber sie tun mir leid. Ein besonders tolles Leben haben sie hier nicht. Und was geschieht mit ihnen, wenn sie nicht gekauft werden und irgendwann nicht mehr klein und niedlich sind? Es ist schon okay, dass ich sowas in Deutschland und Kanada noch nie gesehen habe.

Schlafende Katzen im Schaufenster.
Die Katze kostet so viel wie zwei neue Fahrräder und hat Visitenkarten zum mitnehmen.
Sie ist schon sehr niedlich, so wie alle kleinen Katzen.

Die große Plastikkiste findet sich – dazu ein Spanngurt und Klebeband. Zum Glück ist es meine leichteste Übung, mich zum absoluten Deppen zu machen, so fahre ich mit meiner Riesenkiste auf dem Gepäckträger durch die Stadt und hoffe, niemanden versehentlich zu erschlagen.

Kistentransport.

Abends gehen Tomoko und ich mit ihrem Freund Kuno in ein nahegelegenes Izakaya, eine japanische Kneipe, in der es allerlei leckere Sachen zu essen gibt. Kuno und ich werden morgen einen Ausflug zusammen unternehmen. Ich hoffe also, dass ich mich nicht versehentlich blamiere. Darin bin ich nämlich ganz gut.

Leckerste Schalen mit Essen werden geliefert. Tomoko bestellt immer mehr und der Wirt liefert. Unter anderem essen wir rohen Kugelfisch zusammen, er schmeckt gar nicht nach Fisch, sondern ziemlich neutral und hat eine eher feste Konsistenz. Sehr interessant!

Links: Kugelfisch. Rechts: Krokodil.

Ein Mitarbeiter aus Tomokos Büro stößt auch noch dazu. Mir fällt auf, dass es hier anscheinend üblich ist, dem Gegenüber dessen Getränk ins Glas einzuschenken. Hat das mit der sozialen Rangordnung zu tun, wer wem einschenkt? Die Gläser werden sehr langsam und mit Bedacht gefüllt.

Ich berichte von meiner Begegnung mit dem Maskottchen Obuchan und dass ich gelernt habe, dass Obu wie Käse geformt ist und Obu deshalb aus Käse besteht. Doch hier zeigt sich mal wieder, dass mein Japanisch doch begrenzt ist: Obuchan ist nicht wie ein Stück Käse geformt. Obuchan hat die Form der Stadt Obu auf einer Landkarte. Käse auf Japanisch ist チーズ (chi-zu) und eine Landkarte ist 地図 (chizu). Da habe ich das i wohl langgezogener gehört, als es tatsächlich gesagt wurde. Da Obuchan käsefarben ist, hat es für mich Sinn gemacht. Woraus Obuchan besteht, wenn es nicht Käse ist, darauf kann heute keine Antwort gefunden werden. Obwohl wir den Experten am Tisch haben. Kuno war 20 Jahre lang Bürgermeister von Obu!

Lustige Abendgesellschaft.

Zum Abschied schenkt mir Kuno noch eine Packung Lindt Pralinen, wie lieb! Leider habe ich nichts, was ich ihm im Gegenzug überreichen könnte. Ich hoffe, meine Versuche, mich in Japan zurecht zu finden, sind für ihn amüsant genug zur Entschädigung. 🙂

Tomoko, ich und Kuno.

6 Comments

  1. 玉枝

    ルイーザさん、お久しぶりです!
    わー!日本に着いてからもう20日以上経つんですね!
    あっという間でしたか?それとも長く感じられますか?
    ルイーザさんが大きな怪我なく旅を続けてられていること、とても嬉しく思います(^^)
    「お酒の注ぎ方」は日本文化LEVE72くらいの話ですから、そこに気がつくなんて、さすがです!笑

    そして「地図」と「チーズ」の聞き分けは難しいですよねー!
    ちなみに、韓国語と日本語は、単語は同じ漢字由来のため、発音がとても似ているのですが、韓国語には日本語の「長音(伸ばす音)」がないので、韓国の友人も皆、地図とチーズの発音には苦戦します。笑

    残りの日本滞在も素晴らしい日々となりますように!
    Toi Toi Toi!!

    • Luisa

      玉枝さーん、こんばんは!:)
      日本の旅は3代か3秒を感じますね。ちょっと不思議の国のアリスですね!
      玉枝さんはいつも一番面白い豆知識を教えてくれますね!エンタテイナーですか?!
      お酒の注ぎ方は高校の学科ですか?習いたいですよ!
      Toi toi toiは知ってるの?笑
      すげー!!!
      ぜひタイで最も楽しんでください!:)

  2. Grüne

    Allerliebste Grüße von Deinem Yvönn

    Ich hoffe es geht Dir gut. Pass auf Dich auf Luuu

    • Luisa

      Liebstes Yvönn,
      Danke für deinen Kommentar! Ich freu mich sehr, dass du hier mitliest und ich hoffe wir sehen uns ganz bald. <3
      Ich hoffe, es geht dir auch gut!!!
      Ganz liebe Grüße. 🙂

  3. Daley

    You know I was rooting for the cheese mascot!!

    • Luisa

      Haha, of course you were! <3
      I was hoping for cheese, too! But until the end I wasn't able to unveil what material Obuchan was made of... Or if Obuchan was edible at all. 😀

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