Japan Tag 14 – Minabe nach Shirahama

Japan Tag 14 – Minabe nach Shirahama

Nachtrag zu gestern: Ich habe es tatsächlich in eine japanische Zeitung gebracht:

https://www.agara.co.jp/sp/article/366021/

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Wieder wache ich in der wunderbaren Stille des alten Gasthauses auf und lasse mir Zeit damit, meine Augen aufzuschlagen. Schließlich packe ich meine Sachen und mache mich auf den Weg. Ein neuer Tag wartet auf mich.

Das Motto: Mit Umeboshi Pflaumen ist man jeden Tag gesund!
Tschüss, liebes Minabe!

Nach ca. einer Stunde Radfahren fährt der Besitzer des Gasthauses plötzlich neben mir her mit seinem Auto und bedankt sich nochmals für meinen Besuch. Ein schöner Zufall.

Brücke, ohne Geländer.
Brücke, mit Geländer.

Es geht über Nebenstraßen sehr gemütlich an der See entlang. Ich halte früh für ein ausgiebiges Frühstück in einem Familienrestaurant. Bestellt wird per Tablet und ein Katzenroboter bringt fröhliche Musik dudelnd mein Frühstück und dreht sich zur Seite, damit ich alles entnehmen kann. Das macht mir so viel Spaß, dass ich mir noch einen Nachtisch bestelle.

Katzenroboter.
Der Roboter zeigt mir an, auf welcher Etage sich mein Essen befindet.

Ich halte am Tenjinzaki, einer wirklich schönen Felsformation, die mir mein Stahlwerksfreund Masahiro empfohlen hat. Er hat auch angemerkt, dass man bei Flut viel schönere Bilder machen kann, ich aber leider bei Ebbe vorbei kommen werde. Aber ich finde es trotzdem malerisch hier. Bei Ebbe kann ich noch ein paar japanische Fischer mit aufs Bild kriegen!

Tenjinzaki, von Weitem.
Tenjinzaki, von ganz nah.
Küstenlandschaft.
Küstenlandschaft mit Fischer.

Es stehen ein paar Tunnel auf meiner heutigen Route und ich verschiebe die Routenführung so, dass ich die Tunnel umfahren kann. Das heißt zwar auf Nebenstraßen mein schweres Rad über Bergpässe schieben, aber ich habe ja Zeit.

Eine Nebenstraße auf einem Deich: Die sind am schönsten zu befahren.

Leider bemerke ich irgendwann, dass ich meine Sicherheitsweste nicht trage. Dabei bin ich mir sicher, dass ich sie mir heute morgen angezogen habe. Die nächsten Minuten überlege ich genau, wo sie sein könnte. Das einzige, was mir einfällt ist, dass ich heute morgen langärmlig gestartet bin und mir die Jacke vor ein paar Stunden ausgezogen habe. Dabei muss ich die Weste auf meinem Fahrrad abgelegt haben und bin dann wohl weitergefahren, ohne sie mir wieder anzuziehen. Tut mir leid, liebe Weste. Ich hoffe, jemand hebt dich auf und benutzt dich. Vielleicht lebst du jetzt ein zweites, spannendes Leben in Japan. 🙂

Auf der ersten Tunnel-Umgehungsstraße ist die Weiterfahrt durch ein Tor versperrt. Laut meiner App kann ich noch einen Wanderweg versuchen. Ich versuche es und schiebe mein Rad ein Stück auf dem Kumano Kodo, einem japanischen Pilgerweg. Dieser Weg ist neben dem Jakobsweg der einzige Pilgerweg, der als Weltkulturerbe anerkannt ist. Ich habe Glück und komme an einer Stempelstelle vorbei, die ich gleich in meinem Stempelpass verewige.

Kumano Kodo Wegweiser.
Stempelstelle mit Informationstafel.
Stempel vom Kumano Kodo.

Eine weitere Abkürzung einer Tunnel-Umgehungsstraße führt ins Nirgendwo. Ich muss umkehren und mir einen anderen Weg suchen, kann den Tunnel aber umfahren.

Straße, zuende.

Nur beim letzten Tunnel habe ich kein Glück. Die Schilder der einzigen Umgehungsstraße sind eindeutig: Den Weg kann ich mir sparen. Also heißt es alle Lichter an Fahrrad einschalten, tief durchatmen und Spur halten im Tunnel, ein Pedaltritt nach dem anderen.

Durchgang verboten.

Letztendlich war der Tunnel gar nicht übel, es war auch kaum Verkehr.

Tunnel, das Ende schon sichtbar.

Bald darauf komme ich an meinem heutigen Ziel an: Ein Zeltplatz in einer verschlafenen Gegend. Leider ist hier niemand und ich sehe auch nicht, wo ich mein Zelt aufbauen könnte. Hmmm. Etwas ratlos stehe ich rum und fange an, auf meinem Handy nach Alternativen zu suchen. Doch keine zwei Minuten später kommt ein freundlicher Herr mit seinem Mini-Truck angebraust und fragt mich, wo ich hin will. Gerne zum Zeltplatz – Dann bin ich hier genau richtig. Leider verstehe ich ihn kaum, er spricht sehr schnell und eine sehr ländliche Umgangssprache, soweit ich es raushören kann. Trotzdem verstehen wir uns irgendwie, er ist auch sehr freundlich. Er zeigt mir die Waschmöglichkeiten und die Toilette, dann soll ich mein Rad abstellen und ihm mit meinem Gepäck folgen. Er stellt das Gepäck in den kleinen Wagen einer Zahnradbahn, die ich in der Art schon vor ein paar Tagen bewundert habe. Dann bedeutet er mir, auch einzusteigen und schmeißt den kleinen Zweitaktmotor an. Der Wagen ist ganz schön kippelig und die Steigung teils irre steil, aber es ist eine besondere Erfahrung, mit so einem Gerät zu fahren.

Fahrt zum Zeltplatz.
Abreise der Zahnradbahn.
Aufgebautes Zelt.

Nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe, folge ich den Treppen zurück zu meinem Rad. Ich fahre zur nahegelegenen Raststätte, hole mir einen Stempel und eine Tüte Pflaumensalzchips. Dann stehe ich eine Weile vor der Raststätte und gucke, wo ich am besten mein Abendessen beschaffe. Zwei Japanerinnen fahren mit ihrem Auto vor, gehen in die Raststätte und kehren mit zwei Softeis zurück, die sie im Auto essen. Dann steigen sie wieder aus und fragen mich, ob ich nicht auch ein Eis mit ihnen essen will. Sehr gerne!

Neuer Stempel.
Leckere Chips!

Die beiden Schwestern sind auf dem Weg nach Hause und fragen mich über meine Reise aus. Wir unterhalten uns sehr nett und machen noch ein Bild zum Abschied.

Die netten Eisschwestern und ich.

Abendbrot kaufe ich mir im nahegelegenen Konbini. Aber bevor ich es esse, halte ich noch bei einem noblen Hotel und frage, ob ich trotz Tattoos ins öffentliche Bad dürfte. Leider ist das hier nicht erlaubt, aber man bietet mir an, dass ich das private Bad mieten könnte, es würde in 10 Minuten wieder verfügbar sein. Der Preis ist zwar doppelt so hoch wie mein Zeltplatz, aber zusammen mit dem Zeltplatz zahle ich ungefähr ein Sechstel einer Übernachtung im Hotel. Sehr gerne buche ich das private Onsen für eine Stunde.

Waschbereich.
Innenbad.
Außenbad.
Umkleidebereich.
Sozialisierbereich.

Das Wasser fühlt sich so weich an, meine Haut wird ganz seidig. Doch am meisten Zeit verbringe ich auf dem Duschschemel. Ich probiere alle angebotenen Pflegemittel aus und schrubbe mich rein.

Vor dem Hotel ist der Aussichtspunkt für eine weitere Empfehlung von Masahiro: Der Fels, der so aussieht, wie ein Bärenkopf. Ich habe genug Bärenköpfe im Yukon gesehen um zustimmen zu können: Diese Aussicht ist wirklich grandios!

Bärenkopffelsen.

8 Comments

  1. Anke

    Es macht Spaß Dich zu begleiten, bergauf, bergab, Pflaumen zu kosten in allen Verarbeitungsvarianten und die japanische Gastfreundlichkeit mit zu genießen! Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß und uns Lesern weiter vergnügliche Lesemomente 😉
    良いご旅行をお過ごしください
    😉

    • Luisa

      はい、とても楽しい旅行ですよ!:)
      Danke für deinen guten Zuspruch und deine anhaltende Lesetreue, meine liebe Anke! <3

  2. Claudia Ludwig

    Moin Lulu,
    Natürlich kann ich nicht lesen, was in dem Zeitungsartikel drin steht. Ich finde es aber witzig!

    • Luisa

      Moin Claudia,
      Oft kann man sich eine Seite direkt im Browser automatisch übersetzen lassen, vielleicht kannst du es ja mal ergoogeln. 🙂
      Viele Grüße aus Japan nach Lehre,
      Lulu

  3. Tam

    Are you ok. We got news that there was an earthquake in Shikoku. Thinking about you! Tam, Tomo & Tenshi

    • Luisa

      Yes, I am doing very well and haven’t noticed any rumblings. I also have an earthquake and tsunami warning app installed on my phone. And it seems like here are speakers everywhere to warn people in case of an emergency. So I feel quite safe in my little tent on my monorail campsite. 🙂
      Are you guys okay?
      I hope your driveway is getting better by the day!
      Lululululu

    • Luisa

      はい、スタンプ狂になりました!:)
      パスポートをくれてどうもありがとうございます!!

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