Mein Tag beginnt auf dem Boden in meinem Futonbett. Noch vor dem Frühstück packe ich meine Siebensachen und belade mein Fahrrad. Dann gibt es Frühstück, leckeres. Und ich fahre los, es scheint es sonniger Tag zu werden.



Meine Attraktionen wurden heute wieder von Masahiro empfohlen. Was bin ich froh, so dicht wie möglich ans Stahlwerk heranfahren zu wollen. 🙂 Als erstes halte ich an der schönen Felsformation Hashiguiiwa im Meer an. Tsunamis brechen immer wieder Brocken heraus, die dann dicht am Ufer liegen. Ich esse mein erstes Eis des Tages, es ist heiß.

Der nächste Halt ist vor der Insel Taijima, einer Insel, die nach dem Fisch 鯛 (tai -Goldbrasse) benannt wurde. Wirklich irre, wie die Natur solch schöne Formen herbeizaubert.

Als drittes halte ich bei dem, mit nur 13.5 Metern Länge, kürzesten Fluss Japans an, dem ぶつぶつ川 (butsubtsu kawa). Der Fluss wird bei der lokalen Bevölkerung dafür benutzt, Gemüse zu waschen, da das Wasser eine sehr gute Qualität haben soll.



In der wunderschönen Raststätte in Taiji nehme ich mein Mittagessen ein: Es gibt Walcurry mit kleinen frittierten Walfleischscheibchen. Der Reis ist geformt wie ein Wal und es ist sehr lecker. Zum Nachtisch habe ich noch ein Eis, es ist so warm heute.



Statt meiner Tunnelodyssee gestern werde ich heute verwöhnt: Die Tunnel sind entweder gut zu umfahren, es gibt einen erhöhten Seitenstreifen, der breit genug ist, oder es gibt tatsächlich Extratunnel für Fußgänger und Radfahrer!




Ich habe heute schon gut in die Pedale getreten, um eine längere Pause zu machen und auf den Bus umzusteigen. Der fährt mich auf einer engen Bergsteigen hoch in die Berge zum Nachi Tempel.






Es ist wunderschön hier, die Tempel, der Wasserfall, die dreistöckige Pagode, alles bei strahlendem Sonnenschein. So viele westliche Menschen habe ich seit dem Beginn meiner Tour auf dem Shimanamikaido nicht mehr gesehen. Ich freue mich schon darauf, ein paar Pilger zu sehen, die den Kumano Kodo Pilgerweg gegangen sind und von Berg runter zum Nachi Tempel kommen.







Ich sehe einige Gruppen westliche Pilgertouristen. Sie gefallen mir nicht. Ich beobachte und grübel, warum das so ist, sie haben mir schließlich nichts getan.
Es ist die Art, wie sie sich bewegen, wie sie miteinander reden. Sie tun so, als gehöre ihnen dieser heilige Ort. Als würde ihnen jemand eine Dankeskarte schuldig sein dafür, dass sie extra nach Japan gekommen sind, um hier über einen Berg zu laufen.
Ich hoffe, dass mein Eindruck trügt, aber das ist mein Eindruck. Es stimmt mich sehr nachdenklich. Was macht es mit dir, liebes Japan, wenn mehr und mehr Touristen ins Land kommen? Sollte ich überhaupt hier sein? Ich denke an all die lieben Menschen, denen ich hier schon begegnet bin und spüre tiefe Dankbarkeit. Ich hoffe sehr, dass sie von dieser Touristeneinstellung, die ich hier erlebe, verschont bleiben.
Die restlichen 15 km Radfahren vergehen schnell. Die Sonne scheint, die Hitze des Tages ist schon verflogen. Ich checke in mein heutiges Gästezimmer ein, dusche mich und kaufe mir einen Berg Abendessen im regionalen Supermarkt nebenan. Der Name ist passend zum Thema heute: Heimat.




